Entwicklung von seltenen Baumarten (einschl. Eichen) mit und ohne Schalenwild-Einfluss in ausgewählten Naturwaldreservaten des Landes Rheinland-Pfalz

Universität Göttingen, Abt. Waldbau und Waldökologie der gemäßigten Zonen; Az.: Göttingen 04/10

Zielsetzung:

Seltene Baumarten wie z.B. Sorbus-, Linden-, Ulmen- und Wildobstarten kommen in der Regel nur als Mischbaumarten vor. Viele sind vor allem in der Jugendphase auf ein ausreichendes Lichtangebot angewiesen, das sie beim Übergang zur Hochwaldwirtschaft mit einzelbaumorientierten Waldbaukonzepten häufig nicht erhalten. Sie müssen daher gezielt gefördert werden. Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, die Vorkommen der seltenen Baumarten (Feldahorn, Spitzahorn, Wildapfel, Vogelkirsche, Wildbirne, Speierling, Elsbeere, Vogelbeere, Winterlinde, Sommerlinde, Bergulme, Feldulme, Flatterulme und Traubeneiche) in unterschiedlichen Vegetationsschichten von Naturwaldreservaten unter Berücksichtigung der Lichtverhältnisse zu dokumentieren und so ihr Potential auch für einen zukünftigen Verbleib in den Wäldern abzuschätzen. Gezäunte Teilbereiche erlauben auch die Einschätzung des Wildeinflusses.

Methoden:

In vier Naturwaldreservaten des mittleren Pfälzerwaldes und Nordpfälzer Berglandes wurde die Entwicklung seltener Baumarten in Laubmischbeständen von Eiche und Buche bzw. Eiche und Hainbuche erfasst, in dem alle vorkommenden Baumarten kartiert und nach Schichten eingeteilt wurden (Baum-, Strauch- und Krautschicht). In den Kernflächen wurde die Lichtverfügbarkeit in Prozent der Freilandhelligkeit mit PAR-Sensoren gemessen und die Verjüngung auf 4 m2 Plots gezählt. Zusätzlich wurden die in den Naturwaldreservaten vorhandenen Lücken bezüglich Größe, mittlerer Beleuchtungsstärke, Hauptbaumart und Vorkommen seltener Baumarten erfasst.

Ergebnisse:

Die Baumartenkartierung in den gesamten Naturwaldreservatsflächen ergab eine deutliche Abhängigkeit vom Standort, nämlich den größeren Artenreichtum an Gehölzen und speziell an seltenen Baumarten auf mäßig basenreichen Standorten gegenüber den bodensaureren im mittleren Pfälzerwald. Auch Eichenverjüngung kam dort in größerer Anzahl vor. Generell ergab sich ein positiver Zusammenhang zwischen der Artenzahl der Baumschicht und der Artenzahl in der Verjüngung sowie zwischen dem Anteil seltener Baumarten an der Baumschichtartenzahl und dem Anteil seltener Baumarten an der Artenzahl der Verjüngung. 

Die Verjüngungsaufnahmen in den Kernflächen ergaben keinen signifikanten Unterschied bezüglich Artenzahl innerhalb und außerhalb des Zaunes und auch nicht bezüglich des Anteils seltener Baumarten. Der Einfluss des Zaunes zeigt sich jedoch ganz deutlich im zahlenmäßigen Vorkommen der jeweiligen Arten, in ihrer Höhenentwicklung und vor allem im Verbiss des Leittriebes. 
Ein positiver Zusammenhang der Beleuchtungsstärke mit der Anzahl seltener Baumarten ergab sich nur für ein Naturwaldreservat, bezüglich der Anzahl von Traubeneichen bei zwei Naturwaldreservaten. 

Die Analyse vorhandener Lücken ergab meist eine Dominanz der Buche. Auf basenreicheren Standorten dominierte nur Feldahorn in einer Lücke im gezäunten Bereich.

Trotz hoher Anteile der Traubeneiche an der Baumschicht in allen vier Naturwaldreservaten war diese Art kaum in der Strauchschicht vertreten. Meist war die Eiche nur als Keimling in einer Wuchshöhe unter 25 cm zu finden, in der das Wachstum und Überleben vom Nährstoffvorrat der Eichel abhängt. Die durchschnittlichen relativen Beleuchtungsstärken zwischen 2% und 4%, die in den Kernflächen gemessen wurden, reichen für das Aufwachsen der Eiche in größere Wuchshöhen offensichtlich nicht aus. Auch in Lücken dominiert meist die Buche. Lediglich in dem Eichen-Hainbuchenwald des basenreicheren Standortes wuchs eine Gruppe an Eichen in die Strauchschicht ein, allerdings lediglich im gezäunten Kernflächenbereich. Der selektive Verbiss zeigt sich auch an der Ausbreitung des Efeus in Abhängigkeit von der Zäunung.

Viele der seltenen Baumarten sind Relikte der aufgegebenen Mittelwaldwirtschaft, bei der die besseren Lichtbedingungen die generative Vermehrung förderten aber auch Stockausschläge zu schnellem Wachstum verhalfen. Unter dem aber nun dauerhaft geschlossenen Kronendach der unbewirtschafteten Wälder können die Altholzbäume zwar Überschirmung und Seitendruck vertragen, verjüngen sich aber kaum noch. Nur Feldahorn scheint in der Lage zu sein, sich auch in dichteren Beständen erfolgreich ausbreiten zu können. 

Ausblick:

Für die Naturwaldreservate auf bodensauren Standorten läuft die Entwicklung in Richtung eines reinen Buchenwaldes. Nur in größeren Bestandeslücken könnten sich Eichenhorste entwickeln. Bei den übrigen seltenen Mischbaumarten muss neben dem geringen Lichtangebot noch die seltene Fruktifkation als begrenzender Faktor für ihr Vorkommen in Betracht gezogen werden. So ist ein Fortbestand von Arten wie Elsbeere, Mehlbeere, Sommer- und Winterlinde, Berg- und Flatterulme, die sich in der Regel nur noch vegetativ vermehren, in den Naturwaldreservaten von größeren Lücken um die recht seltenen Mutterbäume abhängig und damit noch deutlich zufallsabhängiger als die Erneuerung des Traubeneichenbestandes.